Paul Gerhardt

Dichter der Ökumene

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts herrschen in Deutschland schlimme Krankheiten, Epidemien und ein verheerender Konflikt: der 30jährige Krieg. Es ist nicht nur eine politische Auseinandersetzung, sondern auch eine religiöse. Alt werden in diesen Zeiten nur wenige Menschen.

Paul GerhardtEvangelisches Gesangbuch, Nr. 361

Befiehl du deine Wege  |  und was dein Herze kränkt  |  der allertreusten Pflege  |  des, der den Himmel lenkt.  |  Der Wolken Luft und Winden  |  gibt Wege, Lauf und Bahn  |  der wird auch Wege finden,  |  da dein Fuß gehen kann.

Es ist die Zeit, in der auch der Pfarrer Paul Gerhardt lebt. Er schreibt Gedichte und Lieder gegen das Elend, gegen die Not, gegen den Tod. Und spendet den Menschen damit Trost, indem er den Blick über das belastende Alltagsleid hinaus weitet. Paul Gerhardt kommt 1607 in der Nähe von Wittenberg auf die Welt, schon mit 14 Jahren wird er Vollwaise. Dennoch besucht er von 1622 an die klösterliche Fürstenschule in Grimma und studiert danach ab 1628 Theologie in Wittenberg. 1642/43 zieht Paul Gerhardt nach Berlin und begegnet dort Johann Crügertypo3/#_edn1, dem Kantor an St. Nikolai, der ältesten Kirche Berlins. Dieser regt ihn zum Schreiben von Liedtexten an, die er selbst, Johann Crüger, vertont. Innerhalb weniger Jahre entstehen eine Reihe noch heute bekannter und viel gesungener Lieder. Etliche davon stehen im evangelischen Gesangbuch und im katholischen Gotteslob.

Paul Gerhardt hat die Gabe, schwierige theologische Sachverhalte in einfachen Worten und gut vorstellbaren Bildern darzustellen. So erreicht er – nicht nur über den Verstand, sondern viel mehr noch über das Gefühl – Menschen allen Alters und aller Standesschichten.

1651 wird Paul Gerhardt – immerhin schon 45 Jahre alt – in St. Nikolai, ordiniert. Anschließend wirkt er bis 1657 als Pfarrer in Mittenwalde in der Mark Brandenburg, wo er als Dichter seine produktivsten Jahre erlebt. In Mittenwalde lernt er auch seine fünfzehn Jahre jüngere Frau Anna Maria kennen. Die beiden bekommen fünf Kinder, von denen nur eines, der Sohn Paul, überlebt.

1657 kehrt Paul Gerhardt nach Berlin zurück. Hier bleibt er, bis er nach vehementen theologischen Auseinandersetzungen mit der Kirchenleitung 1666 seines Amtes enthoben wird. Nach drei Jahren Arbeitslosigkeit – in dieser Zeit stirbt seine Frau – tritt er 1669 seine letzte Stelle in Lübben im Spreewald an. Am 27. Mai 1676 stirbt er. Er wird im Altarraum seiner Kirche begraben.

Paul Gerhardt ist – neben Martin Luther – der bedeutendste Kirchenlieddichter des Protestantismus. Viele seiner Lieder sind im Laufe der Jahrhunderte zu Volksliedern geworden, die jede und jeder gerne mitsang und heute noch mitsingt. Nicht nur in der Kirche. Mit schlichten, klaren und bisweilen bewegenden Worten und Bildern richtet Paul Gerhardt unser Augenmerk immer wieder auf Gott als den Schöpfer, Begleiter und Bewahrer des Lebens und auf sein alle und alles umfassendes Wirken.

Seine Lieder sind Glaubenslieder und vor allem auch Lebenslieder. Lieder, die auch in schwerer oder schwerster Zeit zum Leben einladen und ermutigen. Damals wie heute. Zu einem Leben, das sich aus einem unerschütterlichen Vertrauen zu Gott speist.

Von Gott erhofft und erwartet sich Paul Gerhardt ganz fest:

Paul GerhardtEvangelisches Gesangbuch, Nr. 503,13

Hilf mir und segne meinen Geist  |  mit Segen, der vom Himmel fleußt,  |  dass ich dir stetig blühe;  |  gib, dass der Sommer deiner Gnad  |  in meiner Seele früh und spat  |  viel Glaubensfrüchte ziehe.

Zu solchem Gottvertrauen möchte uns Paul Gerhardt immer noch und immer wieder einladen.