Paul Gerhardt Haus: Ersatzneubau des Evangelischen Krankenhauses gesegnet

(07.12.2016)

Die Barmherzigen Brüder und die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung eröffnen im Januar 2017 das Paul Gerhardt Haus. Heute feierten geladene Gäste aus Politik und Verwaltung, Kirche, Hochschule und Gesundheitswesen zusammen mit Staatsministerin Melanie Huml und Mitarbeitern bei einem Festakt mit anschließender Segnung diesen wegweisenden Schritt der medizinischen Versorgung in Ostbayern.

Mit Unterstützung des Freistaats Bayern haben die Barmherzigen Brüder und die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung in Regensburg voraussichtlich 29 Millionen Euro in das neue Paul Gerhardt Haus an der Prüfeninger Straße 86 investiert. Mit der Eröffnung des Neubaus im Januar 2017 findet die über 210-jährige Geschichte des Evangelischen Krankenhauses eine zeitgemäße Fortsetzung. Das Haus wird neben verschiedenen anderen medizinischen Einrichtungen auch wichtige Bereiche des neuen Zentrums für Altersmedizin beinhalten – ein Meilenstein in der lokalen und regionalen Versorgung unserer älter werdenden Gesellschaft: Am 2. Januar 2017 eröffnen hier eine Akutgeriatrie, eine Geriatrische Frührehabilitation sowie eine Akutgeriatrische Tagesklinik mit insgesamt 100 Plätzen. Davon gehören 14 Betten zu einem besonders geschützten Bereich für demenzkranke Patienten.

Huml: „Enorme Verbesserung für die Region Ostbayern.“

220 Gäste aus Politik und Verwaltung, Kirche, Hochschule und Gesundheitswesen sowie künftige Mitarbeiter waren der Einladung der Geschäftsführung zur Segnung des Paul Gerhardt Hauses gefolgt. Frater Benedikt Hau, Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder, hob die Bedeutung des Projekts für den Orden hervor: „Die Versorgung betagter und mehrfach erkrankter Menschen entspricht dem Kern unseres Ordensauftrages. Wir nehmen die ganzheitliche Therapie unserer geriatrischen Patienten ernst. Sie sollen möglichst gut sozial integriert bleiben und ein Leben in Würde führen können.“

Dr. Andreas Kestler, der nicht nur Geschäftsführer des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg, sondern auch des Paul Gerhardt Hauses ist, erklärte während des Festaktes: „Patienten, Angehörige und Mitarbeiter profitieren von der unmittelbaren Anbindung des Paul Gerhardt Hauses an das Krankenhaus Barmherzige Brüder. Jederzeit können die Mediziner und Therapeuten dort ergänzend auf die medizinische und pflegerische Hochleistungsversorgung zugreifen.“
Prof. Dr. Cornel Sieber, zuständiger geriatrischer Chefarzt im Paul Gerhardt Haus, ergänzte: „Für viele Senioren hat der Erhalt der Selbständigkeit im Alter einen hohen Stellenwert. Erkrankungen wie Infekte, ein Schlaganfall oder ein Oberschenkelhalsbruch können die eigenständige Lebensführung gefährden. Aus diesem Grund bieten wir spezialisierte Behandlungsangebote an, um eine möglichst optimale Betreuung der Patienten zu gewährleisten.“

Melanie Huml, Staatsministerin für Gesundheit, lobte in ihrer Festrede die Initiative der Träger: „Mit der Entscheidung für den gemeinsamen Bau eines Zentrums für Altersmedizin haben die Verantwortlichen der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung und der Barmherzigen Brüder einen mutigen Schritt getan, der die Tradition und Entwicklung des Evangelischen Krankenhauses sinnvoll in die Zukunft führt. Für die optimale Versorgung der Patienten und für die Leistungsfähigkeit des Krankenhauses wurden neue Wege beschritten. Die Betreuung älterer Menschen wird in den Mittelpunkt gestellt.“ Weiterhin betonte Huml auch das große Engagement des Freistaats: „Das Gesamtkonzept und die Struktur des Zentrums für Altersmedizin sind beispielhaft und bringen eine enorme Verbesserung der Versorgung betagter Menschen in der Region Ostbayern. Wir haben dieses Vorhaben von Anfang an unterstützt und haben uns an dem Neubau des Evangelischen Krankenhauses mit über 12 Millionen Euro beteiligt. Seit 1980 haben wir das Evangelische Krankenhaus mit rund 29 Millionen Euro gefördert und sichern damit eine hochwertige und wohnortnahe Gesundheitsversorgung im Raum Ostbayern."
Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Vorsitzender des Stiftungsausschusses der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung in Regensburg, sieht die älteren Menschen in Regensburg und der Region in der Zukunft bestens versorgt: „Ich begehe den heutigen Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Über viele Jahre war das Evangelische Krankenhaus ein wichtiger Stützpfeiler der medizinischen Versorgung der Stadt Regensburg. Doch das kleine Haus konnte den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden – und so freue ich mich, dass wir heute einen bedeutenden Schritt in die Zukunft gehen. Mit dem Paul Gerhardt Haus reagieren wir auf die Anforderungen des demografischen Wandels: Ein hochmodernes Zentrum für Altersmedizin, das dem wachsenden medizinischen und pflegerischen Bedarf älterer Menschen entgegenkommt. Mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz werden wir sicherstellen, dass sie so lange wie möglich an der Gesellschaft teilhaben können und optimal versorgt sind.“ Die Bischöfe der katholischen und evangelischen Kirchen, Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Hans-Martin Weiss sowie der evangelische Dekan Eckhard Herrmann und der Barmherzige Bruder Pater Leodegar Klinger segneten im Anschluss an den Festakt den Neubau.

Das Zentrum für Altersmedizin

Das Paul Gerhardt Haus umfasst drei wichtige Bausteine der Versorgung von mehrfach erkrankten älteren Patienten. Die Akutgeriatrie konzentriert sich nicht allein auf eine aktuelle Haupterkrankung der Patienten, die zur Einlieferung in das Krankenhaus geführt hat. Vielmehr behalten die Ärzte hier auch die sonstigen Beschwerden der Patienten im Auge. In der Geriatrischen Frührehabilitation werden betagte Menschen schon während ihrer schweren akuten Erkrankung von einem spezialisierten Team versorgt, um einem weiteren gesundheitlichen Abbau entgegenzuwirken. Die Akutgeriatrische Tagesklinik mit 20 Plätzen kümmert sich um Senioren, die noch zu Hause leben, aber durch ein akutes oder chronisches Leiden zunehmend eingeschränkt sind. Sie werden morgens in die Tagesklinik geholt, wo sie akutmedizinisch oder rehabilitativ behandelt werden, und abends wieder nach Hause gebracht.
Im benachbarten Krankenhaus Barmherzige Brüder ist der vierte Baustein des Zentrums für Altersmedizin verortet: Nach einer überstandenen Akuterkrankung werden Patienten in der Klinik für Geriatrische Rehabilitation optimal gefördert, um leichter in ein normales Leben zurückkehren zu können. Diese Einrichtung ist für Patienten gedacht, welche noch nicht in der Lage sind, ambulante Angebote anzunehmen.

Ein therapeutisches Team bestehend aus Ärzten, speziell im Bereich der Geriatrie geschulten Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen, Ernährungsberatern, Seelsorgern und Sozialdienstmitarbeitern fördern individuell die ihnen anvertrauten Patienten.

Im Laufe des Jahres 2017 wird im Krankenhaus als fünfter Bereich eine spezialisierte Alterstraumatologie eingerichtet. Bis dahin werden unfallchirurgische und orthopädische Patienten im Rahmen einer Frührehabilitation im Paul Gerhardt Haus betreut.

Besonders angepasste Architektur des Paul Gerhardt Hauses

Neben großzügigen Zimmern für die akutstationäre Versorgung wurde besonderer Wert auf die Ausgestaltung der Therapieräume gelegt, um eine frühzeitige Förderung einzuleiten und einen weiteren Abbau von Alltagsfunktionen der Senioren zu vermeiden.

Dementiell erkrankte Menschen können in einem beschützten Bereich mit 14 Betten ihren Bedürfnissen entsprechend betreut werden. Hierbei wurde besonderer Wert auf innovative bauliche Maßnahmen gelegt, die eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit vermeiden sollen: Gezielt angelegte Rundwege auf den Stationen sollen einem hohen Bewegungsdrang der Demenzerkrankten gerecht werden. Leuchtende Fußleisten mit Bewegungsmeldern in den Zimmern sollen Stürze vermeiden. Magnetische Wände ermöglichen den dementen Patienten, private Bilder aufzuhängen, um so ihre Orientierung zu verbessern. Armbänder mit einem sogenannten „Trackingsystem“ helfen, speziell bei dementen Menschen die Weglaufgefährdung in den Griff zu bekommen.

In einem weiteren Bereich des Paul Gerhardt Hauses befinden sich Zimmer für anwendungsorientierte medizinische und pflegerische Forschung. Hier werden neueste Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und dem Institut für die Biomedizin des Alterns aus Erlangen sowie der Ostbayerischen Technischen Hochschule in die Behandlung einfließen.

Für Gemeinschaftsaktivitäten wie das Einnehmen des Mittagessens steht pro Station ein großzügiger Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Komplettiert wird das Paul Gerhardt Haus durch zahlreiche Untersuchungs- und Behandlungsräume und die enge Verzahnung mit den anderen Abteilungen des Krankenhauses Barmherzige Brüder, sodass jedwede Diagnostik und Therapie unkompliziert und schnell erfolgen kann.

Foto links: Auf dem Festakt anlässlich der Segnung (v.l.): Ev. Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, Krankenhausverbund-Geschäftsführer Christian Kuhl, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Architekt Joachim Peithner, Prokuristin Dr. Antje Schoppe, Chefarzt Prof. Cornel Sieber, Staatsministerin Melanie Huml, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler, Stv. Chefärztin Prof. Ute Hoffmann, Dekan Eckhard Herrmann, Provinzial Frater Benedikt Hau (Tino Lex)

Foto links: Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml hält eine Rede anläßlich der Segnung des Paul Gerhardt Hauses

Foto rechts: Auf dem Festakt anlässlich der Segnung (v.l.): Ev. Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, Krankenhausverbund-Geschäftsführer Christian Kuhl, Chefarzt Prof. Cornel Sieber, Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler, Staatsministerin Melanie Huml, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Architekt Joachim Peithner, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Dekan Eckhard Herrmann, Provinzial Frater Benedikt Hau